Unsere Hauptstadt-Fledermäuse: Zwischen Naturschutz und Bauprojekten

5. März 2024David Misselwitz
Lesezeit: ca. 9 Minute(n)s

Berlin, bekannt als pulsierende Metropole mit einer reichen Geschichte und kulturellen Vielfalt, beheimatet neben seiner menschlichen Vielfalt auch eine überraschend reiche Biodiversität. Im Herzen dieser Stadt und ihrer Bewohner liegt ein tief verwurzeltes Bewusstsein für den Schutz der Natur und Umwelt. Berlin ist übersät mit Parks, Gärten, Flüssen und Seen, die nicht nur Erholungsraum für die Menschen bieten, sondern auch wichtige Lebensräume für eine Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten darstellen. Die „grüne Lunge“ der Stadt, wie sie oft genannt wird, ist essenziell für das ökologische Gleichgewicht und die Lebensqualität in der Metropole. Zu Konflikten kommt es in einer wachsenden Stadt wie Berlin jedoch zunehmend mit den für zusätzlichen Wohnraum notwendigen Bauprojekten durch, welche oftmals der Lebensraum von Pflanzen- und Tierarten negativ beeinflusst wird. Ausgleichende Maßnahmen für den Naturschutz dürfen in diesen Fällen nicht vergessen werden!

Der Naturschutz und seine Auflagen in der Stadt

Bei Bauvorhaben wird es manchmal nötig Bäume zu fällen, oder Boden umzuschichten. Sind hier Strukturen wie Baumhöhlen, Vogelnester vorhanden, die für geschützte Arten relevant sind, oder bestehen Verdachtsmomente, dass geschützte Arten beeinträchtigt werden könnten, kann die genehmigende Behörde eine naturschutzfachliche Untersuchung beauflagen. Die sogenannte Artenschutzrechtliche Potenzialabschätzung dient der Beurteilung des Artenvorkommens von Flora und Fauna auf dem betreffenden Areal anhand von sogenannten Biotop- und Habitatstrukturen.

Dabei erfolgt eine sorgfältige Untersuchung von Flächen, Bäumen und Bauwerken auf hier lebende Tier- und Pflanzenarten durch geschulte BiologInnen. Es muss beurteilt werden, ob und welche geschützten Arten auf dem Gelände leben, die durch eine Baufeldräumung, Baumfällung oder den Abriss eines Gebäudes ihr Habitat verlieren würden. Die gründliche Konfliktanalyse mündet in Vorschlägen zur Festlegung artenschutzrechtlicher Maßnahmen, wie Umsiedlung, Erschließung von Ersatzquartieren oder dem Anlegen neuer Strukturen. Die genehmigende Behörde fällt dann die Entscheidung über Art und Umfang der Ersatzmaßnahmen, um dem Naturschutz gerecht zu werden.

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Häufig betroffen ist dabei eine unserer Berliner Lieblingstiere; die nachtschwärmenden Fledermauspopulationen. Wir als Baumpfleger haben dabei zum einen eine erhöhte Verantwortung Fledermausgattungen bei Baumfällungen und Baufeldräumungen im Vorfeld ausfindig zu machen. Zum anderen sind wir erfahren in der Erstellung von naturschutzrechtlichen Gutachten und der Ausführung geeigneter Ersatz- und Ausgleichsmaßnahmen.

Fledermäuse in Berlin aufspüren und schützen

Um Fledermäuse aufzuspüren, wird in den meisten Fällen ein Endoskop und einen professionellen Bat-Detector, ein elektronisches Gerät, welches die für den Menschen unhörbaren Ultraschalllaute von Fledermäusen hörbar macht, genutzt. Durch vielfältige Analysefunktionen des Geräts können sogar einzelne Fledermausarten anhand der unterschiedlichen Frequenz ihrer Ruflaute ausfindig gemacht und unterschieden werden.

Sollten wir bei der Untersuchung fündig werden und den Aufenthalt von Fledermäusen nachweisen, ist es meist sinnvoll Fledermauskästen, als Ausgleichsmaßnahme in der unmittelbaren Umgebung aufzustellen und den Tieren so eine alternative Behausung anzubieten. Häufig wird die Aufstellung von Fledermauskästen auch behördlich, als sogenannte Ersatzmaßnahme bei einer Fällung angeordnet.

Fledermäuse orientieren sich anhand von Ultraschallrufen, die mithilfe eines Fledermausdetektors registriert werden können
Fledermäuse orientieren sich anhand von Ultraschallrufen, die mithilfe eines Fledermausdetektors registriert werden können

Fledermauskästen sieht man immer häufiger

Flachkasten aus Holz für Wald­fleder­mäuse an einem Baum
Flachkasten aus Holz für Wald­fleder­mäuse bei Haus Graven, Langenfeld (Rheinland). Bildautor: Amari Linzenz: CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)

Während Vogelhäuser allseits bekannt sind und breite Verwendung in Gärten und Grünräumen finden, ist das Wohnungsangebot für Fledermäuse weniger üppig. Vermutlich da sie sich bei der Bevölkerung sehr lange keiner großen Beliebtheit erfreut haben oder sogar mit Vorbehalten betrachtet wurden, erfuhren Fledermauskästen erst mit dem Erstarken der Naturschutzbewegung zur Jahrtausendwende eine größere Beliebtheit. Und das, obwohl es die ersten Ideen dazu bereits seit dem 19. Jahrhundert existiert. Inzwischen mögen viele Menschen die insektenfressenden und für den Menschen ungefährlichen Flügeltiere und genießen das stimmungsvolle Geflatter, welches sich vor allem im Sommer bei abendlicher Dämmerung beobachten lässt.

Bei Fledermauskästen ist es ähnlich wie bei Vogelhäuschen. Je nach Fledermausart wird ein unterschiedlicher Kasten benötigt. Manche Tiere hängen gerne einzeln, manche in Gruppen, manche brauchen Platz um sich herum, andere quetschen sich gerne in enge Spalten und so weiter und so fort. Dementsprechend sind auch die aufzuhängenden Fledermauskästen gestaltet. Zudem gibt es für die europäischen Fledermäuse die grobe Unterteilung in Wald- und Gebäudefledermäuse. Wie die Namen schon sagen, leben Waldfledermäuse im Wald und besiedeln dort verlassene Spechthöhlen oder Spalten in Bäumen. Gebäude- oder Hausfledermäuse haben sich an Siedlungen angepasst und sind häufig in Dachstühlen, Dachverkleidungen oder Rissen in Fassaden anzutreffen.

Die Lebensräume beider Gruppen sind zunehmend durch den Menschen bzw. Veränderungen durch den Menschen bedroht. Bei der Ertüchtigung alter Gebäude oder Dachstühle ist daher die Anbringung von Ersatzquartieren durch Fledermauskästen an den Fassaden sehr sinnvoll und wird immer häufiger beauflagt.

Die Fledermaus: ein wahres Wundertier

Fledermäuse sehen zwar gefährlich aus, stellen jedoch für den Menschen keinerlei Gefahr dar. Vemeiden Sie es jedoch flugunfähige Fledermäuse mit bloßen Händen anzufassen.
Fledermäuse sehen zwar gefährlich aus, stellen jedoch für den Menschen keinerlei Gefahr dar. Vemeiden Sie es jedoch flugunfähige Fledermäuse mit bloßen Händen anzufassen.

Fledermäuse bevölkern seit Jahrmillionen den Planeten und stellen innerhalb der 7000 Säugetierarten mit 1400 Fledermausarten, die zweitgrößte Gruppe dar. Sie sind die einzigen Säugetiere, die fliegen können. Manche Arten kommen in freiem Gelände auf Geschwindigkeiten bis 50 km/h. Sie orientieren sich dabei nur mithilfe von Ultraschallrufen und machen so auch ihre Beute ausfindig.

Die in Berlin vorkommenden etwa 18 Fledermausarten stehen alle aufgrund ihrer ökologischen Relevanz unter Artenschutz. Unter Anderem kontrollieren sie effektiv Insektenpopulationen. Da Insekten ihr Hauptnahrungsmittel sind, gehen die nachtaktiven Tiere zur kalten Jahreszeit in Winterschlaf und fahren ihren Körper von Ende Oktober bis Anfang April auf 3 bis 5 Grad herunter. Sie dürfen in dieser Zeit auf keinen Fall gestört werden. Höhlungen, Spalten und Ritzen von Bäumen oder Gebäudeteilen eignen sich in besonderer Weise als Unterschlupf und Winterquartier für Fledermäuse.

Manche Fledermäuse können insgesamt bis zu 30 Jahre alt werden. Vor blutsaugenden Vampir-Fledermäusen brauchen Sie sich übrigens nicht fürchten. Nur in Südamerika gibt es einige wenige Arten die mit ihren scharfen Zähnen die Haut von Rindern und Wildtieren verletzen um Blut zu lecken.

Berlin Hauptstadt der Fledermäuse

Das vermutlich größte Fledermausquartier Berlins befindet sich in der Zitadelle Spandau, ganz im Westen der Stadt. In den alten Gemäuern der Verteidigungsanlage flattern jährlich ca. 11.000 Fledermäuse ein und aus. Hier leben Arten wie das große Mausohr, die Fransenfledermaus, Wasserfledermaus, Zwergfledermaus, Breitflügelfledermaus und das Braune Langohr.
Weitere große Fledermausquartiere befinden sich in den Wasserwerken Friedrichshagen und Tegel, im Fort Hahneberg und z. B. auch im eingestürzten Flakbunker im Humboldthain. Insgesamt gibt es in Berlin ca. 30 größere Fledermausquartiere. Berlin ist damit im mitteleuropäischen Raum die Hauptstadt der Fledermäuse.

Blick von der Zitadelle Spandau auf die Havel.
In der Zitadelle Spandau befindet sich Berlins größtes Fledermausquartier

Wie wir alle zum Fledermaus- und Naturschutz beitragen können

Fledermäuse am Abendhimmel
Die Reduzierung von Lichtverschmutzung, der Verzicht auf Insektizide und das Anbringen von Fledermauskästen sind Maßnahmen die fast jeder von uns zur Stärkung unserer Fledermauspopulationen leisten kann

Der Schutz der Natur und der Fledermäuse ist eine Gemeinschaftsaufgabe, zu der jeder beitragen kann. Einfache Maßnahmen wie die Reduzierung von Lichtverschmutzung, der Verzicht auf Pestizide und die Anbringung von Fledermauskästen können einen großen Unterschied machen. Darüber hinaus ist die Teilnahme an lokalen Naturschutzprojekten und die Unterstützung von Organisationen, die sich für den Erhalt der Biodiversität und gefährdeter Populationen einsetzen, eine wertvolle Hilfe. Häufig lassen sich in einer Stadt wie Berlin Baumaßnahmen nicht umgehen und die richtigen Maßnahmen zur Vermeidung von negativer Beeinflussung der Population müssen rechtzeitig getroffen werden.

Ein besonderes Highlight für alle Fledermausinteressierte ist die jährlich in Berlin und europaweit stattfindende „Bat Night“, bei der Interessierten an Führungen teilnehmen können, um mehr über das Leben und die Ökologie der Fledermäuse zu erfahren. Diese Veranstaltung zielt darauf ab, Mythen zu entkräften und das Bewusstsein für den Schutz dieser faszinierenden Tiere zu schärfen.

Ihr Ansprechpartner BaumBüttner

Als verlässlicher Ansprechpartner steht das speziell geschulte Team von BaumBüttner bei allen Fragen rund um Naturschutz und Fledermaus für Sie zur Verfügung. Wir können für die jeweiligen Fledermausarten geeignete Fledermauskästen beschaffen und diese fachgerecht anbringen.

Im Rahmen einer Baufeldräumung oder anderer Baumaßnahmen übernehmen wir die Erstellung eines naturschutzrechtlichen Gutachtens und anderer notwendiger Dokumente. Wir beraten Sie ausführlich im Umgang mit den Behörden und vermitteln in Konfliktfällen.

Abseits behördlicher Auflagen beraten wir Sie auch gerne bei Ihren Naturschutzprojekten!

Haben Sie Interesse bekommen? Treten Sie jetzt mit uns in Kontakt!

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