Baumschutz auf Baustellen- wichtiger denn je!

18. Oktober 2023David Misselwitz
Lesezeit: ca. 8 Minute(n)s

Welcher Landschaftsarchitekt oder Baumpfleger kennt dieses Bild nicht: Bäume auf Baustellen unter denen haufenweise Baumaterial und Schutt lagert; Bäume, deren Stämme und Krone ungeschützt offenliegen; Radlader die den Wurzelraum verdichten; Baugruben, aus deren Wände vom Bagger gequetschte und abgerissene Wurzeln ragen. Die Folge ist häufig ein derart schwer geschädigter Baum, dass eine Fällung nicht mehr vermieden werden kann. Mit der Schwächung der Bäume durch andauernde Hitze und Trockenheit haben die Bäume keine Chance sich wieder zu erholen. Es folgen teure Schadensersatz- und Ausgleichszahlungen. Kann der Baum gerettet werden, ist dies meist nur unter regelmäßig durchgeführten und aufwändigen baumpflegerischen Maßnahmen möglich. Doch es gibt eine einfache Lösung für das Problem: Ein fachgerechter Baumschutz auf Baustellen.

Warum ist der Baumschutz so wichtig?

Die meisten Bäume brauchen sehr lange zum Wachsen. Die Lebenserwartung eines Baumes übersteigt die vieler Gebäude in unserer Stadt bei weitem. Dies wirkt sich leider negativ auf unsere Stadtbäume aus. Kaum ist ein Baum ausgewachsen steht das nächste Bauprojekt an, er kommt zu Schaden, wird gefällt und ein neuer kleiner Baum muss gepflanzt werden. Die städtischen Einflüsse auf unsere Stadtbäume sind meist so gravierend, dass ihre Lebenserwartung drastisch reduziert wird. Kommen dann ungeschützt die Einflüsse einer Baustelle hinzu, kann es kritisch werden, und wie wir wissen, wird in Berlin und anderen Städten ständig gebaut. Man findet daher selten wirklich alte Straßenbäume in der Stadt und vielen Bäumen ist die Dauerbelastung anzusehen. Um es den Bäumen ein Stückchen leichter zu machen ist der Baumschutz auf Baustellen essenziell, da hier drastische Eingriffe und Schäden durch ein paar übersichtliche Maßnahmen verhindert werden können. Gerade mit dem fortschreitenden Wandel des Klimas und der damit einhergehenden Trockenheit und Sturmgefahr sind Bäume zusätzlich belastet und können durch kleine Schäden große Probleme bekommen. Der fachgerechte Baumschutz ist daher heute und in Zukunft wichtiger denn je!

Welche rechtlichen Grundlagen gibt es?

Baumschutz ist kein Hirngespinst eifriger Naturschützer, sondern basiert auf wissenschaftlich begründeten Regelwerken und Verordnungen die Baumschutz nicht zum freiwilligen Extra, sondern zur Pflicht eines jeden Bürgers machen. In Berlin gibt es dazu die Berliner Baumschutzverordnung, welche ausführlich den Schutz aller Berliner Bäume regelt. Sie ist das wichtigste Dokument für die Berliner Bäume und wird ergänzt durch die „DIN-Norm 18920 – Vegetationstechnik im Landschaftsbau – Schutz von Bäumen, Pflanzenbeständen und Vegetationsflächen bei Baumaßnahmen“ sowie die Richtlinie „RAS LP4 – Schutz von Bäumen, Vegetationsbeständen und Tieren bei Baumaßnahmen“. Zusätzlich greift das Berliner- sowie auch das Bundesnaturschutzgesetz, welche beispielsweise das Fällen, auf den Stock setzten oder Zurückschneiden von Gehölzen während der Vegetationsperiode verbietet.

Welche Maßnahmen müssen angewandt werden, um Bäume auf Baustellen zu schützen?

Während die Berliner Baumschutzverordnung Pflichten, Gebote und Verbote sowie Ausnahmen formuliert, geben die DIN-Norm 18920 und die Richtlinie RAS LP4 detailliertere Informationen zur fachgerechten Umsetzung des Baumschutzes. Die Berliner Baumschutzverordnung ist allgemein gültig und nicht nur im Falle einer Bautätigkeit zu beachten. Neben Stammschäden und Verdichtung von Baumscheiben durch falschparkende Autos sowie Schäden durch das in Berlin inzwischen eigentlich verbotene Streusalz stellen Hundeurin und Hundekot eine nicht zu verachtende Belastung für die bereits gestressten Stadtbäume dar. Eine der intensivsten Gefährdung von Bäumen ist jedoch oftmals während Bauarbeiten zu verzeichnen. Die folgenden wichtigsten Maßnahmen haben sich dabei im Wesentlichen bewährt.

1. Wurzel- und Bodenschutz durch Baumschutzzäune und Wurzelbrücken

Der Schutz des Bodens und somit des Wurzelraumes ist essenziell um eine langfristige Versorgung des Baumes mit Wasser und Nährstoffen sowie die allgemeine Standsicherheit des Gehölzes gewährleisten zu können. Neben Verunreinigungen aller Art stellt vor allem die Verdichtung des Bodens durch Baufahrzeuge und abgelagerte Baumaterialien eine Gefahr dar, da Bodenluft und Wasser nicht mehr in ausreichender Menge an die Wurzeln gelangen kann. Mit dem Wassermangel einher geht auch eine mangelhafte Nährstoffversorgung, da Nährstoffe nur in Verbindung mit Wasser aufgenommen werden können. Eine ähnliche Problematik ergibt sich bei einer temporären oder sogar dauerhaften Versiegelung der Erdoberfläche. Die meisten befestigten Bodenbeläge haben einen sehr geringen Versickerungsbeiwert sodass häufig gar kein bis maximal ein Drittel des Regenwassers unter den Bodenbelag gelangen kann. Eine mechanische Verletzung der Wurzeln ist eines der weiteren Probleme die Auswirkungen auf die Versorgung und Verankerung des Baumes haben kann.
Aus diesen Gründen sollte auf Baustellen der gesamte Wurzelraum aller vorhandener Bäume mit einem Baumschutzzaun gesichert werden. Zum Wurzelraum zählt der Bereich unterhalb der Baumkrone zuzüglich 1,5 m rings herum. Bei Bäumen mit Säulenform werden zur Krone 5 m hinzugerechnet. Der Baumschutzzaun muss laut DIN 18920 fest installiert werden und eine Höhe von ca. 2 m aufweisen. Der eingezäunte Bereich muss freigehalten werden von jeglichen Chemikalien, Treibstoffen, Baumaterialien sowie sonstigen Baustelleneinrichtungen und darf zudem nicht befahren werden. Leider lässt sich ein derartiger Zaun im beengten innerstädtischen Raum häufig nicht realisieren und gehört obwohl eigentlich die Regellösung immer öfter zur Ausnahme. In solchen Fällen kann, befristet auf eine Vegetationsperiode, eine lastverteilende Schicht eingebaut werden. Bestehend aus lastverteilendem Vließ, einer 20 cm hohen dränfähigen Schicht und einer Abdeckung aus Bohlen oder ähnlichem, wasserdurchlässigem und lastverteilendem Belagsmaterial.
Baumaßnahmen im Wurzelbereich sollten möglichst immer vermieden werden, sind aber in der Planungs- und Baupraxis eher der Regelfall. Durch eine Wurzelsuchschachtung wird der Boden auf Wurzeln sondiert, um dann die richtigen Maßnahmen treffen zu können. Bei einer Beschneidung des Wurzelraums kommt ein Wurzelvorhang zum Einsatz, um die Wurzeln vor Austrocknung und Krankheitsbefall zu schützen und zum weiteren Wachstum anzuregen. Dies sollte deutlich vor Beginn der Baumaßnahme erfolgen. Wurzelbrücken aus Stahlbeton sind eine Alternative um kräftige und wichtige Wurzelstränge z. B. im Wege und Straßenbau zu überbrücken und somit erhalten zu können.

Wurzelsuchschachtung mittels Saugbagger
Wurzelsuchschachtung mittels Saugbagger
Bau eines Wurzelschutzvorhangs
Bau eines Wurzelschutzvorhangs
Bohlenummantelung als Stammschutz an einer Platane
Bohlenummantelung an einer Platane

2. Stammschutz

Neben dem Wurzelschutz ist der Stammschutz essentiell, wenn es um den nachhaltigen Schutz von Bäumen auf Baustellen geht. Als Versorgungsleitung und fester Verbindungspunkt zwischen Krone und Wurzeln können kleine Beschädigungen bereits große negative Auswirkungen auf die Baumgesundheit und Baumstabilität haben. So bieten kleinflächige Beschädigungen der schützenden Baumrinde bereits genügend Angriffsfläche für Feuchtigkeit, Pilze und weitere Schädlinge, um den Baum nachhaltig zu schädigen.
Um dies zu verhindert ist die effektivste Art des Schutzes der bereits zuvor genannte Baumschutzzaun, der den Wurzelraum großzügig umschließt und damit auch den Stamm effektiv schützt. Bei beengten Verhältnissen mit Einsatz einer lastverteilenden Schutzschicht für den Wurzelraum muss der Baumstamm anderweitig geschützt werden. Dies kann durch einen Schutzzaun geschehen, der mit beispielsweise 1,5×1,5 Metern nur den direkten Stammbereich umschließt oder durch einen Stammschutz in Form einer Bohlemummantelung verwirklicht werden, welche direkt am Stamm angebracht wird. Die DIN 18920 formuliert für einen derartigen Stammschutz wiederrum Vorgaben. Die Bohlenummantelung muss zum Baumstamm hin abgepolstert und mindestens zwei Meter hoch sein. Sie muss ohne Beschädigungen des Baumes angebracht werden und darf nicht auf den Wurzelanläufen aufgesetzt werden. In der Praxis sind auf vielen Baustellen diese Anforderungen nicht erfüllt. Bohlen hängen lose sitzen am Stammfuß auf und sind nicht gepolstert. Der eigentliche Zweck der Ummantelung, den Stamm vor Schäden z.B. durch das Touchieren durch Baufahrzeuge zu schützen, kann damit nur unzureichend erfüllt werden.

3. Kronenschutz

Das Allheilmittel ist auch für den Kronenschutz der Baumschutzzaun, welcher jegliche Arbeit im Kronenbereich verhindert. Bei beengten Verhältnissen können zu tief hängende Äste hochgebunden werden. Durch ein Freischneiden des Lichtraumprofils können wiederum unkontrollierte Beschädigungen vermieden werden. Da jede Baummaßnahme den Baum unter Stress setzt und Einbußen bei der Versorgung durch die Wurzeln nicht ganz zu vermeiden sind, kann ein Rückschnitt zudem als Entlastungsschnitt fungieren, um die Blattmasse dem Wurzelwerk anzupassen. Im schlimmsten Fall kann es zu Versorgungsengpässen und dem unkontrollierten Absterben von Kronenteilen kommen.

4. Sonnenschutz nach Freistellung

Baumaßnahmen gehen oft mit starken Veränderungen im direkten Umfeld der Bäume einher. Bäume werden gefällt, Gebäude abgerissen oder Baumstämme durch die Rodung von Sträuchern und Hecken freigestellt. Durch diese Veränderungen sind zuvor beschattete Äste, aber vor allem Baumstämme plötzlich der direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt und können wie wir Menschen Sonnenbrand, den sogenannten Rindenbrand bekommen. Betroffen sind hauptsächlich Bäume mit glatten Rinden. Abhilfe schafft ein Anstrich mit weißer Kalkfarbe, welcher die Sonnenstrahlen reflektiert oder eine Ummantelung mit Gewebeband aus Jute oder ähnlichem Material.

Auf Nummer sicher gehen, mit der dendrologische Baubegleitung

Wenn Sie bei Ihren Baustellen das Risiko der Beschädigung oder des Verlusts der erhaltenswerten und geschützten Bäume minimieren wollen, empfiehlt sich in allen Fällen die Zusammenarbeit mit einer dendrologischen Baubegleitung. In enger Zusammenarbeit mit den Bauherren bzw. der Bauleitung sowie den ausführenden Firmen achten dendrologische BaubegleiterInnen auf die fachgerechte Einhaltung aller erforderlicher Baumschutzmaßnahmen auf der Baustelle.

Noch Fragen? Kontaktieren Sie unsere Baumpfleger von BaumBüttner für ein kostenloses Angebot

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